Connect The Dots – „the only one who was free“

„Open your nearest book to page 82. Take the third full sentence on the page, and work it into a post somehow.“

„I was the odd man out in this group because I was the only one who was free.“ – The Golden Notebook, Doris Lessing

Freiheit ist ständig Streit- oder Diskussionsthema. Im Prinzip, wenn man es genau betrachtet, liegt jedem Konflikt auf der Welt die Freiheit zugrunde. Im Kampf gegen den IS geht es um die Freiheit, in der Ostukraine geht es um die Freiheit, in Ferguson geht es um die Freiheit, in Paris geht es um die Freiheit. Aber die Suche nach Freiheit macht sich in jedem einzelnen bemerkbar; auch bei mir, hier, im privilegierten westlichen Studentenleben.

Auf der Arbeit genieße ich die Freiheit, dass ich, obwohl ich in der Gastronomie und damit im Servicesektor jobbe, Gästen sagen darf, wenn sie sich unter aller Sau verhalten. Wenn jemand unhöflich zu mir ist, dann darf ich sie darauf hinweisen, und muss nicht kuschen – meine Chefs stehen da jederzeit hinter mir. Der Kunde ist nicht König – in einer Demokratie kommt auch die Kellnerin zu Wort.

In der Uni genieße ich die Freiheit, dass ich meine Meinung äußern darf. Das führt natürlich auch dazu, dass ich den Meinungen anderer Menschen ausgesetzt bin, denen ich oft nicht im Geringsten zustimmen kann. Aber das Privileg, diesen Leuten dafür dann auch meine Meinung um die Ohren hauen zu können, möchte ich nicht missen.

In meiner Beziehung genieße ich die Freiheit, dass es in Ordnung ist, wenn ich mal vier Monate im Ausland verbringe. (Nicht, dass das ständig vorkommt, aber dennoch:) Ich kenne genügend Leute, die ihren Partner nicht einfach so mal eben weggehen lassen würden, oder massive Probleme hätten, der Versuchung eines One-Night-Stands zu widerstehen. Auch wenn ich in einer Beziehung bin, sind mein Freund und ich freie, eigenständige Menschen.

In meinen Gedanken genieße ich die Freiheit. Voll kitschig jetzt, aber die Gedanken sind nun mal frei. Ich finde, sich die Freiheit der Gedanken aufrecht zu erhalten, ist oft schwieriger, als man glauben mag. Die Einschränkungen, denen ich mich manchmal ausgesetzt fühle, sind nicht selten Einschränkungen, die ich mir selbst auferlege. Jedes Mal, das ich denke, „Ich kann das nicht“, setze ich mir eine Grenze, die eigentlich nicht existiert. Wenn andere das können, kann ich das schon lange – aber daran muss ich mich immer wieder erinnern. Wenn ich den Traum habe, irgendetwas zu tun, zu sehen, zu haben, so irreal das auch sein mag, dann kann ich immerhin davon träumen, denn dann bin ich frei.

Wenn ich eine gute Phase habe, und mich einigermaßen eins mit mir fühle, dann bin ich auf der Spitze meiner Freiheit. Ich scheue mich nicht, zu sagen was ich denke (auch wenn ich mich dann oftmals zügeln muss, diplomatisch zu bleiben… ich habe angeblich schon erwachsenen Männern Angst eingejagt mit meiner Heftigkeit), ich scheue mich nicht, auf Leute zuzugehen, und ich scheue mich nicht vor neuen Erfahrungen. Das bedeutet für mich dann, dass meine Gedanken frei sind. Ich bin frei von den Grenzen, die ich mir selbst setze.

Und ich glaube, dass kann einen zum odd man machen. Mit Anfang 20, im Studium, oder in der Ausbildung, oder unmittelbar danach, machen wir noch so viel durch. Das ist quasi die Pubertät 2.0. Immer noch auf der Suche nach sich selbst, irgendwie ein bisschen erwachsen, aber eigentlich noch gar nicht, konfrontiert mit der Aussicht auf ein langes Leben, und man hat noch keinen Plan. Eigentlich haben wir ziemliches Glück, aber wir sind so frei, dass es weh tut. In einer Gruppe voll mit solchen Leuten ist es geradezu einschüchternd, jemandem zu begegnen, der den Eindruck macht, eins mit sich, der Welt, und seiner Freiheit zu sein.

Bei mir sind das, wie gesagt, nur Phasen. Ich nähere mich mit kleinen Schritten. Aber wenn ich mich richtig frei fühle, dann habe ich das Gefühl, dass Menschen mir anders begegnen. Es ist seltsam, wenn jemand den Eindruck macht, richtig frei zu sein. Es scheint irreal. (Ich meine, Alter, wie zur Hölle machen die das?) Ich glaube, dass traurig viele Menschen das Gefühl von absoluter Freiheit nie erleben werden. Aber es erscheint mir ein erstrebenswertes Ziel zu sein, aus einer Gruppe merkwürdig herauszustechen, weil man frei ist.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Alexandra Eicks sagt:

    Boah… wie schön! Du bist echt gut, Danke für diesen schönen Denkanstoß! 🙂 Zwei Korrekturen: „Auch wenn ich in einer Beziehung… bin…?“ und ein Komma zuviel im Absatz unter dem flotten Bus bei „… und ich scheue mich nicht vor neuen Erfahrungen“. Du bereicherst – wahrscheinlich nicht nur – MEIN Leben! Muddibussi!

    > Mehr als Durchschnitt

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    1. Danke Muddi ❤ 🙂 Gleich mal korrigiert. 🙂

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