5 Songs für Februar

„Wie heißt’n nochmal das zweite Stück auf der Platte?“

Die Nummer zwei hat es nie leicht. Der Gewinner der Silbermedaille hat nur um Haaresbreite den Sieg verpasst. Das mittlere Kind ist weder so aufregend, wie das erste, noch so süß wie das jüngste. Der zweite Kuss kribbelt bei weitem nicht mehr so wie der erste.
Genauso geht es mir mit den zweiten Stücken auf Alben. Klar, das Intro, der erste Song der Platte, super stark, aber was kam denn nochmal danach? Generell bin ich schrecklich schlecht darin, mir Songtitel zu merken. Wo einige sogar die Reihenfolge der Songs vom dritten Album ihrer fünftliebsten Band aufzählen können, könnte ich nicht einmal alle Alben meiner Lieblingsband benennen, geschweige denn die Titel von mehr als zwei Songs zusammenkriegen.

Februar als Monat Nummer zwei ist für mich eine wunderbare Gelegenheit, endlich einmal den Songs mit der Nummer 2 Tribut zu zollen.

Oasis – Roll With It

Das zweite Stück des legendären Albums (What’s the Story) Morning Glory? steht definitiv im Schatten der zwei nachfolgenden Songs. Während jeder Faslamsbruder den Text zu Wonderwall kann, und Don’t Look Back in Anger wohl der beste Song ist, um ihn besoffen mit Kumpels in dem Londoner Underground zu gröhlen, ist Roll With It heute wohl wirklich nur treuen Oasis-Fans bekannt. Verständlich ist das nicht, schließlich hat Roll With It eine universell anerkannte und niemals aus der Mode kommende Botschaft: sei und bleib so, wie du bist.

Adele – Rumour Has It

Mit dem zweiten Platz hinter Adele’s Evergreen Rolling in the Deep hat Rumour Has It eine besonders schwierige Position auf ihrem Album 21. Die Nummer 1 belegte damals auch in den deutschen Charts wochenlang die Nummer 1. Rumour Has It hingegen schaffte es nur für 5 Wochen auf die 68, was meiner Meinung nach völlig unverdient war. Ich liebe den Rhythmus des Songs, die Pausen, die Gitarre, den Chor, einfach großartig. Bei vernünftiger Lautstärke ein Gänsehautgarant.

alt-J – Arrival in Nara

Als ich neulich an einem Sonntag durch die Stadt ging und in Vorbereitung auf das alt-J Konzert das neue Album hörte, hatte ich einen magischen Moment, als ich an der Kreuzung zwischen dem Schulterblatt und der Max-Brauer-Allee stand. Plötzlich war es total still, es fuhr kein Auto, generell waren wenig Menschen unterwegs, die Sonne schien, die Luft war kalt und klar, und in meinem Ohr spielten alt-J die erste Minute von Arrival in Nara. Das fühlte sich an, als ob die Zeit stehen geblieben sei. Wunderschön. Eines der tollsten zweiten Stücke, die ich seit langem bewusst gehört habe.

 

Jake Bugg – Slumville Sunrise

Shangri La wurde bloß ein Jahr nach Jake Bugg’s Debutalbum veröffentlicht und erhielt eher mittelmäßige Rezensionen. Nichtsdestotrotz, auf dem Album sind einige starke Stücke untergekommen, so zum Beispiel die Nr. 2, Slumville Sunrise. Der bittersüße Song über seinen Heimatort regt doch einfach zu sehr zum Tanzen an. Außerdem perfekt für den kalten Februar, um mal wieder in Bewegung zu kommen. Und als ob es nicht schon toll genug wäre, gibt es im Video auch noch großartige Greenscreenaction inklusive Granny Swap und Heiratsantrag.

The XX – VCR

So wunderschön, so simpel. VCR nimmt dich mit, macht es sich zusammen mit dir gemütlich, und gibt dir einen Abschiedskuss, bevor es dich in Crystalised entlässt. Es hört sich an wie Zuhause.

Bonus: Blur – Song 2

Wer hätte es gedacht, aber Song 2 ist wirklich, literally, Song 2, und dazu noch wunderschön knackige zwei Minuten lang. Zu naheliegend, um es in die Top 5 zu schaffen, aber definitiv Wert, als Bonus der Liste hinzugefügt zu werden. Ist doch immer wieder schön, auf einer 90er-Jahre-Party laut „It’s not my prob-leeeeeem“ zu singen.

Was sind eure liebsten „zweiten Songs“? Bin gespannt auf Anregungen in den Kommentaren. 🙂

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. AlexAndra sagt:

    O.K. – ich bin das uninteressante zweite „Kind“ und habe im Februar Geburtstag, da fühle ich mich direkt angesprochen, hier meinen musikalischen Senf dazu zu geben! 🙂
    Spontan fiel mir das großartige BUENA der Band Morphine (auf „Cure For Pain“) ein, aber das wäre ein bisschen geschummelt, weil das vorhergehende DAWNA mit seinen gerade mal 44 Sekunden eher ein Intro als ein eigenständiger Song ist. Also fällt die Wahl auf SPEAK TO ME von Charlie Winstons zweitem Album „Running Still“ – auch weil ich erst beim Live-Konzert geschnallt habe, dass das Ganze komplett A capella vorgetragen wird! Großartig… Und definitiv auch etwas für die anderen elf Monate, in denen man sich so fühlen kann: „I sit around drinking coffee all day – Nothing to do and a little to say…“

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    1. Sehr schön!! 🙂 Kannst es ja gleich mal an deinen kleinen Bruder weiterleiten, vielleicht fällt dem ja auch noch der ein oder andere Song ein. 🙂

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  2. jonasamelong sagt:

    Wirklich schöner Artikel, echt tolle Idee! Ich hab gerade auch mal geschaut, was so die zweiten Songs meiner Lieblingsplatten sind und gerade im Indiebereich verbürgen sich dahinter viele große Hits – z.B. Mr. Brightside, I Bet You Look Good On The Dancefloor, Helicopter und Creep. Auch die Beatles haben mit Eleanor Rigby und With a Little Help From My Friend einige Hochkaräter an zweiter Stelle. Also der zweite Song einer Platte ist nicht immer nur Hardcorefans vorbehalten 😉

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    1. Da kann man ja tatsächlich eine ganze Indieparty mit Hits der Nr. 2 füllen! Das ist wirklich eine hochinteressante Position auf einer Platte, finde ich.

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