Wo sind die Musikerinnen auf Musikfestivals?

Ja, ich weiß. Das ist so ein ganz, ganz alter Hut. Wellig an den Rändern, mit dicker Staubschicht oben drauf. Dennoch, es muss Leute geben, die ab und an den Staub mal wieder runterschütteln und den Hut groß und laut und deutlich in die Gesichter anderer Menschen drücken.

Es ist einfach unfassbar, wie unglaublich unterrepräsentiert Frauen auf Rockfestivals sind. Letztes Jahr las ich erstmals dazu einige Artikel, und beließ es dabei, still zuzustimmen. Ja, auch auf meinem Stammfestival, dem Hurricane, standen bei weitem mehr Männer als Frauen auf der Bühne. Im Februar zog der Guardian bei den bisher bestätigten Bands für Reading und Leeds Bilanz und stellte fest, dass knapp 90% der Bands nur aus Männern bestehen. Weibliche Stimmen hört man dementsprechend kaum.

Aber woran liegt das? Die Vermutungen gehen in alle möglichen Richtungen. Das fängt an beim klassischen „das ist ein Lebensmodell auf das Frauen halt keine Lust haben“, was ich aus guten Gründen für Bullshit halte. Eher halte ich es für wahrscheinlicher, dass Frauen generell einen schwierigen Einsstieg in die Rockmusik haben, als Männer. Rock gilt halt immernoch als Männermusik, halt was für die Harten, das ist dann belastet mit allen möglichen Klischees. Sich dort als Musikerin einzuklinken, stelle ich mir schwer ätzend vor.

Mir ist es jetzt gerade wieder aufgefallen beim diesjährigen Rolling Stone Weekender. Wenn ich richtig gezählt habe, hören wir am ersten Novemberwochenende dort drei weibliche Stimmen: Alabama Shakes, Nicole Atkins, und Kopecky. Das ist eine ähnliche Quote wie bei Reading und Leeds. Allerdings verstehe ich es bei diesem Festival noch viel weniger.

Dadurch, dass das Festival kleiner ist und sich in Richtung Pop öffnet haben die Organisatoren nicht so viel Druck, wie die größeren Festivals, richtig viele richtig große Namen ranzubekommen. Bei den etablierten Rockgrößen ist es nunmal leider so, dass diese vorwiegend männlich sind. Aber hier, beim Weekender, besteht die Möglichkeit, kleinere und weniger bekannte Künstler einzuladen. Und wieso werden dann so viele Männer ausgesucht? Ich bin nicht nur der Überzeugung, sondern ich weiß, dass es einige weibliche Künstler gibt, die dort super hinpassen würden. Warum werden die nicht eingeladen? Konnten die alle plötzlich an dem Wochenende nicht?

Ich weiß es nicht, und zu sehr in die Tiefe gehen kann ich aus mangelndem Fachwissen da auch gar nicht, aber es ärgert mich. Selbst wenn es weniger Frauen in der Rockmusik gibt, so ist der gesamte Anteil sicher nicht der, der auf Festivals widergespiegelt wird. Das ärgert mich, denn ich finde es toll, anderen Frauen, die tolles leisten, zujubeln zu können. Gerade letzte Woche war ich bei dem Konzert von BOY, und das war einfach wundervoll.

Das Problem liegt aber sicherlich auch am Publikum: zugegebenermaßen suche ich auch nicht nach neuen weiblichen Musikern. Ich zeige der Industrie nicht im geringsten, dass ich den Wunsch habe, mehr Frauen zu hören und zu sehen. Das machen andere sicherlich nicht anders, und so kommt es dazu, dass ich jetzt nichtmal mehr als zwei Namen nennen könnte, die der Weekender hätte einladen können, um seine Frauenquote zu verbessern. Das Problem scheint so tief in der Industrie zu stecken, dass ich gar nicht weiß, wo das was wann schief gelaufen ist, aber eins ist klar: wir sollten sicherlich bewusster unsere lieben Mit-Frauen fördern.

Für mehr Frauen im Rock und auf Rockfestivals!

Source: http://www.altpress.com

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