Mein Stress und ich

Mein Stress und ich, wir sind alte Bekannte. Ich glaube das erste Mal bewusst gestresst war ich, als ich meine allerersten Hausaufgaben in der 1. Klasse erledigen wollte und nicht mehr genau erinnerte, was ich tun sollte. Wir haben also viel Zeit gehabt, unsere Kämpfe miteinander auszutragen. Deswegen kann ich auch zwei Dinge ganz genau sagen. Erstens, ich komme mit Stress super klar. Zweitens, Stress macht mich richtig fertig.

Klingt paradox? Ist es auch. Aber wahr ist es trotzdem.

Ich glaube ich war in den letzten Jahren konstant gestresst. Ob wegen des Abiturs, eines Referats, einer Hausarbeit, meines Kellnerjobs, der Praktikumsbewerbung, des Arzttermins, des leeren Bankkontos, der Gesundheit meiner Katzen, einer Klausur, einer Abschlussarbeit, der Studiumsbewerbung, des Umzugs, des Chaos‘ bei der Arbeit, oder allem zusammen. Irgendwas ist immer. Trotz des ganzen Durcheinanders habe ich aber eigentlich alles immer sehr gut bis zufriedenstellend erledigen können. Jetzt stehe ich immerhin im 14. Semester und mitten in der Masterarbeit.

Alle Termine, alle Deadlines, alle Hürden, jeden unfreundlichen Gast oder Kunden und alle Probleme – alles was mich stresst – habe ich geschafft. Vor allem mein Kellnerjob und das Rennen gegen Deadlines haben mir dabei bewiesen, dass ich auch bei Stress einen klaren Kopf bewahren und meine Arbeit durchziehen kann. Ich habe schon oft anderen klar und direkt meinen Standpunkt erläutern können und auch strenge Ansagen oder Emails rausgehauen. Und das auch noch sehr souverän.

Naja, und dann ging es im letzten Jahr irgendwie los, dass der Stress an meiner Substanz genagt hat. Plötzlich war er mehr als der Bauchschmerz oder die schlaflose Nacht, er war alles. Ich weiß von Freundinnen, die sich an ähnlichen Punkten in ihrem Leben befanden, dass Stress krank machen kann, und siehe da – nun hatte es mich wohl auch erwischt.

Nun da ich weiß, dass Stress mich sowohl zu Höchst- als auch Niedrigstleistungen führen kann, weiß ich auch, dass ich lernen muss, meinen Stress auf einem gesunden Level zu halten. Denn ich glaube, so ein bisschen zwicken hier und da und etwas Stress, der einem Feuer unterm Hintern macht, kann mir oft sehr helfen. Wenn ich weiß, ich habe viele Baustellen und muss mich konzentrieren und durchziehen, dann klappt das auch sehr gut. Nichts geht über den Kick einer Deadline. Aber ausarten sollte das nicht.

Mein Stress und ich. Jaja. Wir finden gerade Lösungswege. Ich erkläre meinem Stress, dass er nicht jede Facette meines Lebens zum Stressfaktor erklären kann und bringe mir gleichzeitig bei, solche Fehleinschätzungen meines Gehirns zu ignorieren oder weg zu meditieren. Ich glaube nicht, dass ich irgendwann in nächster Zukunft mal nicht von irgendetwas gestresst sein werde. Aber ich arbeite daran, dass es mich nicht mehr so sehr mitnimmt. Tief durchatmen, den Überblick nicht verlieren, weitermachen. Bisher klappt das echt super. Dieses Jahr steht unter der Prämisse: negative Gefühle positiv verarbeiten.

Melancholie

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