Fahrradtour durch Hamburg

Ich glaube, ich hatte noch nie ein Fahrrad, mit dem es so viel Spaß gemacht hat, zu fahren. Es ist leicht, man kann schön schnell fahren, oder auch langsam, und es ist viel weniger atemraubend als alle meine Ex-Räder. Jetzt, wo es dank der klimatischen Veränderungen so aussieht, als ob es in Hamburg niemals wieder regnen wird, bin ich alte Schönwetterfahrerin extra viel unterwegs.

Zum Beispiel erledige ich meine Wohnungsbesichtigungen alle gerade mit dem Fahrrad. Das ist die beste Möglichkeit, mehrere Termine hintereinander ohne signifikante Verspätungen wahrzunehmen. Ich bekomme Bewegung, habe eine gesunde Gesichtsfarbe wenn ich ankomme, und ich muss mich nicht über langsame Busse oder lange Fußwege ärgern. Heute muss ich zum Beispiel 4 Termine abklappern. Wenn dieser Text online geht, gucke ich mir glaube ich gerade irgendwas in Barmbek an, oder Dulsberg, oder so.

Aber jede Fahrradtour durch Hamburg, ob nun zur Arbeit oder sonstwohin schlägt mir eines von Hamburgs größten Mankos mitten durch Gesicht, jedes Mal. Die Radwege. Oder eben: Das was vorgibt ein Radweg zu sein. Oder eben: Welcher Radweg? Nun begebe ich mich also auf eine Tour durch Hamburg per Rad und wundere mich nicht im geringsten über den Krieg der Verkehrsteilnehmer in Hamburg. Aber ich muss auch feststellen, dass die Radfahrer (so kamikazemäßig sie auch manchmal unterwegs sein mögen, jaja) am aller geficktesten sind.

Eine Freude ist die Sierichstraße. Wenn man zur richtigen Uhrzeit in der richtigen Richtung unterwegs ist (für die nicht-Hamburger: diese zweispurige Straße ist Einbahnstraße und je nach Uhrzeit in unterschiedlichen Richtungen befahrbar) können mein Rad und ich uns mit auf die Straße gesellen, zusammen mit wildparkenden und eng überholenden PKW. Wenn man allerdings in die falsche Richtung unterwegs ist, dann darf man eigentlich als Radler die Straße gar nicht mehr befahren: Denn auf der Straße wäre man gefährlicher Geisterfahrer und auf den Gehwegen, nun, da darfst du auch nicht fahren wenn du älter als 12 bist. Vielleicht also lieber weiträumig umfahren.

Schmunzeln musste auch im Rübenkamp: dieses 1 Meter breite Weglein, das halb aus Erdboden besteht und halb von Sträuchern überwuchert ist, soll ein Radweg sein? Haha, guter Witz, da kann ich mich auch gleich mit Absicht auf die Schnauze legen. Soll mich die Polizei doch anhalten, wenn ich auf der Straße fahre, dann will ich die mal mit dem Rad über diesen Weg fahren sehen.

Sowieso gibt es erschütternd viele Hauptverkehrsadern in Hamburg, in denen man als Fahrradfahrer ohne Radweg oder zumindest Fahrbahnmarkierung einfach auf die Straße verbannt wird. Mit vielen parkenden Autos, die mit ihren potenziell plötzlich zu öffnenden Türen ein nicht unwesentliches Risiko darstellen. Und wenn ich da dann mit dem nötigen Sicherheitsabstand vorbei fahre, werde ich am besten noch ultra eng überholt, oder besser sogar noch angehupt oder angepöbelt, weil ich es wage zu weit auf der Fahrbahn zu fahren. Ist das euer scheiß Ernst? Gerade neulich habe ich im Eppendorfer Weg einen BMW angefahren und einen Lackschaden verursacht – im Ausweichmanöver, als ich eng überholt wurde.

Aber auch auf Radwegen die mit auf den Gehwegen sind ist es nicht besser. Solange immer wieder Autos auf Radwegen parken oder sie blockieren, solange Mülltonnen dort abgestellt werden, solange Jogger auf Radwegen laufen, solange andere Radfahrer auf der falschen Seite fahren, solange Mamis ihre Kinderwagen auf Radwegen schieben oder parken, solange Schülergruppen komplette Wege inklusive Radweg in Anspruch nehmen, werde ich mir das Recht rausnehmen, all diese ignoranten Säcke von hinten anzubrüllen. Leichtes Agressionsproblem? Vielleicht schon, aber es kann doch nicht so schwer sein. Auch der Zustand dieser Wege ist katastrophal. Risse, Löcher und massive Huckel in der Fahrbahn zwingen mich häufig dazu, auf den Fußweg auszuweichen – also dahin, wo ich als letztes hingehöre.

Generell bin ich der Meinung, dass Radfahrer auf die Straße gehören. Aber nicht so wie in der Sierichstraße, wie in der Max-Brauer-Alle oder im Eppendorfer Weg. Sondern mit eigens eingezeichneten Fahrbahnen. Mit eigenen Ampeln. Ich denke, dass nur so die Sichtbarkeit der Fahrräder für Autos und Fußgänger erhöht würde. Als Fußgänger käme niemand darauf, an der Ampel auf dem Fahrradweg stehend zu warten. Als Autofahrer wäre man sich mit den eingezeichneten „Extrastraßen“ bewusster darüber, dass da noch schwächere, aber etwas schnellere Verkehrsteilnehmer sind, auf die es zu achten gilt.

Ein paar richtig schöne Ecken, die so umgebaut wurden, gibt es schon, und auf dem Rad fühle ich mich nirgends sicherer. Aber das ist für mich immer noch alles zu wenig und zu langsam. Wo behauptet wird, es gäbe keine Lösung, ist meiner Ansicht nach nur die Bürokratie etwas zu bequem. Und so lange wird einfach in Kauf genommen, dass an den unausgebauten Stellen Unfälle passieren.

Auf meinem Weg zur Arbeit passiere ich jedes Mal die Kreuzung Eppendorfer Weg/Osterstraße. Dort ist vor kurzem eine junge Mutter überfahren worden. An einem Montag morgen, um eine Uhrzeit, an der ich dort nur nicht unterwegs war, weil ich noch angeschlagen war und den Bus genommen habe. Für mich sind dafür weder die Frau, noch der LKW-Fahrer verantwortlich. Verantwortlich ist dafür eine Politik, die ziemlich lange auf Fahrradfahrer geschissen hat und nun bestenfalls halbherzig eine grüne Schiene fährt. Macht diese scheiß Stadt fahrradtauglich!

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