WoB 6: YouTube gucken

Morgen ist die Week of Blog schon vorbei, aber bevor ich zu traurig werde wollte ich von meinem neu entdeckten alten Lieblingshobby erzählen: YouTube-Videos gucken.

Ich habe angefangen regelmäßig Videos auf YouTube zu gucken als Ray William Johnson noch lustig war und LeFloid noch keine News gemacht hat. Ich habe gelacht, geweint, mich aufgeregt und mich wohlgefühlt, alles durch Videos auf YouTube. Mit der Zeit entdeckte ich mehr Kanäle, mehr Creator, und spätestens im Studium schaute ich eine Menge Kanäle täglich bis wöchentlich. YouTuberinnen brachten mir bei, mich zu schminken. Von Michelle Phan lernte ich, dass Augenbrauen Geschwister sind, keine Zwillinge, und niemals gleich aussehen sollten. Ich lernte, wie man Lidschatten auftrug, welche Pinsel man für was benutzte, wie man Concealer aufträgt… Ohne YouTube würde ich immernoch nur mit schwarzem Kajal und Wimperntusche herumlaufen! Naja, davon abgesehen, dass das eigentlich egal ist, hat es mein Leben insofern bereichert, dass ich entdeckte wie viel Spaß es macht sich sein Gesicht anzumalen.

Als ich 2014 in England war, machte ich sogar bei einem Gewinnspiel mit, um Zoella zu treffen. Zoella – DIE britische Beauty- und Lifestyle YouTuberin. Ich gewann tatsächlich, fuhr mit einer Kollegin für einen Tag nach Brighton, traf morgens Zoella in einer Drogerie und schaute den Rest des Tages die Stadt an. Ohne YouTube wäre ich nie nach Brighton gefahren, und oh boy, ich hätte eine wunderbare Stadt und einen grandiosen Burrito verpasst.

Im letzten Jahr erreichte ich einen Punkt, an dem ich irgendwie überfordert war von YouTube. Zu viel allgemeiner Input wahrscheinlich. Ich stellte die Benachrichtigungen der App ab, und schaute nur noch unregelmäßig in meine Abos. Ich schaute immer noch Videos, aber hauptsächlich für die Arbeit und immer weniger privat.

Nun hatte ich den Kopf wieder frei. Ich begann, den Lästerschwestern Podcast zu hören, der sich mit Themen rund um die Branche und darüber hinweg beschäftigt. Das hat Bock gemacht, selbst wieder mehr YouTube zu gucken, und so öffnete ich meine App mal wieder und begann mir Videos in meine Watchlist zu legen. Und jetzt bin ich wieder drin: statt TV oder Netflix gibt es für mich wieder YouTube, und obwohl es wieder Spaß macht, stelle ich fest, dass sich viel verändert hat.

Frühere Beauty-Youtuberinnen machen keine Tutorials mehr. Die Views bei denen, die früher hunderttausende Zuschauer hatten, sind runter. Creator sind in Not und versuchen sich auffällig an allerlei Strategien um irgendwie ihre Reichweite zu retten – schließlich hängt deren Lebensunterhalt davon ab. Viele hinterfragen ihre Inhalte, sprechen über die Probleme, die sie haben – ob mit diesem Job, oder psychisch, oder kreativ, oder finanziell. YouTube hat in weiten Kreisen seine Gelassenheit verloren, weil es seinen Creatorn mit Algorithmen und inhaltlichen Restriktionen die Pistole auf die Brust gesetzt hat.

Manche widersetzen sich dem noch wirklich erfrischend. LeFloid hat sich mal wieder neu erfunden und kocht jetzt auch noch. Funk produziert was es will zu spannenden bis unterhaltenden Themen, weil sie eh Kohle ohne Ende aus unseren Rundfunkgebühren beziehen. Ich glaube nicht, dass die fetten Jahre vorbei sind, aber es ist so viel passiert, dass die Menschen auf der Plattform, die ihre Arbeit ernst nehmen, sich bewusster mit den Inhalten und ihren Verdienstmöglichkeiten beschäftigen.

Mein Gefühl ist, dass sich qualitativ hochwertigere Inhalte immer bewusster vom Trash trennen. Zwischen RTL2 und arte gibt es auf YouTube nicht mehr viel – du bist entweder oder. Ich begrüße das. Ich mag es, die eigene Arbeit zu reflektieren, und bewusst zeigen zu können, warum der eigene Scheiß geiler ist als der Mist von anderen. Meine leise Hoffnung: dass das ganze den Ruf von Onlinecreatorn vielleicht doch noch gut tun könnte.

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