Dear New York

Liebes New York,

du bist eine merkwürdige Stadt.

Um ehrlich zu sein denke ich das allerdings von allen Städten, die ich besuche. Um noch ehrlicher zu sein, denke ich das von allen Orten, die ich jemals gesehen habe. Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass ich sogar die Stadt in der ich wohne für seltsam halte, aber das ist klassischer Weise eine andere Geschichte.

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New York, du bestichst mit deinen Widersprüchen. Es beginnt mit den verschiedenen Teilen der Stadt. Darüber habe ich aber bloß begrenztes Wissen, da ich mich bei meinem Besuchvornehmlich in Manhatten umgesehen habe. Aber vom Hörensagen weiß ich vor allem eines: vom Glamour der Halbinsel ist in Queens oder der Bronx nicht mehr viel zu spüren.

Aber selbst in Manhatten muss mit allem gerechnet werden. Man hat den Eindruck, alles bewegt sich schrecklich schnell. Die Menschen auf den Fußwegen, die Taxis, die U-Bahnen, alle müssen so schnell die möglich vom einen Ende der Stadt ans andere gelangen. Und doch dauert es wahrscheinlich nirgendwo so lange, eine geringe Distanz zurückzulegen, wie in New York. Die Massen wirken entschleunigend. Es sind so viele Menschen und Fahrzeuge, dass es unmöglich ist, auch nur 3 Blocks zügig voranzukommen. Am langsamsten ist es an den hektischsten Plätzen.

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Ich habe noch nie so viele wunderschöne Frauen in so wunderschönen Sommerkleidern gesehen wie in New York. Während ich in Deutschland stets den Eindruck habe, dass der Zwang der kurzen Klamotten in den meisten Frauen Unbehagen auslöst, und das Sommerkleid, so gut es sitzen mag, doch irgendwie immer irgendwo zu kurz oder zu lang oder zu weit oder zu eng ist, und man sich nicht mehr wohlfühlt. Wir sollten uns an den Frauen von Manhatten ein Vorbild nehmen. Die rocken nämlich den Sommer. Ganz egal wie gewagt der Schnitt, wie aufregend das Muster, wie kurz das Kleid, wie weit der Ausschnitt – sie fühlen sich sichtbar wohl und das macht sie einfach wunderschön. Ganz egal wie groß oder klein oder dick oder dünn sie sind. Alle wunderschön.

New York, wenn du alt und neu gegenüber stellst, dann bist du am schönsten. Das verglaste Hochhaus bekommt seinen Charme erst neben dem Wolkenkratzer des frühen 20. Jahrhunderts. In den Museen war es wunderbar sich von amerikanischer Kunst des 18. Jahrhunderts zu den abgefahrenen Installationen von Björk bewegen zu können. Einen Abend waren wir in einem Restaurant essen, dass einem aus allen Ecken und Enden „HIPSTER“ ins Gesicht brüllte. Ein bisschen James Joyce im Namen und and den Wänden, die Einrichtung Vintage, das Essen ausgefallen, die Cocktails mit literarischen Titeln, aus den Lautsprechern beste Indie-Disko-Hits – wunderbar. Aber die Erfahrung wäre nicht komplett gewesen, ohne an einem anderen Tag in einem amerikanischen Diner frühstücken zu gehen.

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Nur hier kann ein kleiner Junge gegen einen großen Mann im Park Schach spielen. Nur hier kann die Welt richtig zusammen kommen. Der große Apfel, der Melting Pot; diese merkwürdige Faszination die von der Stadt ausgeht spüren Menschen aus der ganzen Welt. Ich bin sicher in der einen Woche, die ich dort war, jede auf der Welt existierende Sprache gehört zu haben.

New York, durch dich ist mir mal wieder klar geworden, dass manche Orte mir einfach zu groß sind, um dort leben zu können. If you make it there, you make it anywhere – 7 Tage haben gereicht um mich davon zu überzeugen, dass niemals etwas mit mehr Wahrheitsgehalt über New York gesagt wurde. Aber dank dir, New York, ist auch deutlich geworden, dass mein Wunsch mehr von den Vereinigten Staaten zu sehen größer ist als angenommen. Du warst nur ein kurzer Ausflug in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und jetzt will ich mehr sehen.

Danke für’s anfixen. Ich fange schon mal wieder an zu sparen…

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Was für ein wunderschöner Beitrag über eine der schönsten (oder zumindest aufregendsten) Städte der Welt :-)! Vielen Dank!

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