Reichtum

Habe ich nicht neulich geschrieben, wie sehr das neue Semester mich im Griff hat? Ja, jetzt sind wieder beinahe 6 Wochen um und die Universität hat den zarten kreativen Keim in mir mit hunderten Seiten schlecht eingescannten wissenschaftlichen Texten erstickt. Meine Rettung ist, dass jetzt meine liebste Zeit des Jahres kommt: Weihnachten.

Ich weiß, es ist verrückt. Aber Weihnachtszeit bedeutet für mich auch immer Geburtstagszeit (16. Dezember, falls ihr euch fragt, und ich habe eine Wunschliste bei Amazon, dankesehr) und ich habe ein Herz für Weihnachtsmusik und Lichterketten und Glitzer und Tannenbäume und Glühwein und Schmalzgebäck und Geschenke kaufen und alles essen was es gibt und ach, die Liste könnte ewig weitergehen. Ergo: Weihnachten = super!

disney christmas donald duck christmas tree decorate

Gleichzeitig ist die Weihnachts- und Geburtstagszeit auch immer ein bisschen schwierig, denn man denkt über Dinge nach, die man schenken könnte, aber auch über die Dinge, die man geschenkt bekommen könnte. Und plötzlich wird mir auf drastische Art und Weise vor Augen geführt, was mir in meinem Leben alles fehlt.

Neulich bin ich zu Fuß zur Wohnung meiner Mutter gelaufen. Ich war dort zum Abendessen eingeladen und hatte einen langen Tag am PC hinter mir, also beschloss ich, einen Spaziergang zu ihr zu machen. 40 Minuten, sagte mir Google Maps. Ich ging zügig und brauchte 39. Mein Weg führt mich dabei über Winterhude über Harvestehude nach Rotherbaum – also durch einige der schicksten und begehrtesten Viertel der Hansestadt. Und woah, man, ich kann das verstehen! Ich selbst lebe im Dach eines zitronengelben 80er-Jahre-Baus, deswegen bilde ich mir auf meine Wohnlage nicht viel ein. Aber mal drei Schritte aus der Haustür und man spaziert an den allerschönsten Villen vorbei, so schön, dass ich in allen wohnen will.

Niemals, absolut niemals im Leben werde ich das Geld haben, in einem dieser Häuser zu wohnen. Wenn man 39 Minuten aber an den Villen vorbeigeht und den Reichtum der anderen bestaunt, dann ist es doch eine Herausforderung für mich, keinen Neid zu spüren. All die Sachen, die ich niemals haben werde! Teure Schuhe, Taschen, Wintermäntel, große Stadtvillen, Strandhäuser, Designermöbel, US-amerikanische Oldtimer! Ich muss auch gar nicht so groß denken, es reicht hier am PC zu sitzen und das Sims 4-Icon auf meinem Desktop zu sehen, das mich daran erinnert, dass es wieder eine neue Erweiterung gibt, die ich mir nicht sofort kaufen kann, weil sie 40 verschissene Euro kostet, und das wirklich ein Happen Geld ist.

Reich sein müsste man.

Yosub Kim, Content Strategy Director happy season 3 fuck orange is the new black

Vor ein paar Tagen hatte ich dann keine Lust mehr, ständig frustriert zu sein, weil ich manche Dinge nicht habe. Die anstrengende Diskussion im Seminar über den Menschen als Mängelwesen und den Kapitalismus war the icing on the cake, wie der Brite sagt. Wer sagt denn, dass ich so viel Scheiß brauche? Na die! Und wer sind die? Ja, mein Gott, was weiß ich denn! Aber seit wann höre ich darauf, was irgendwelche Leute sagen? Ja, halt eigentlich selten.

Deswegen habe ich beschlossen, dass ich öfter mal darüber nachdenken muss, wie viel Glück ich eigentlich habe, und wie viel Kram ich schon besitze, der mich voll zufrieden macht. Ich habe eine klasse Wohnung unter dem Dach mit der besten Aussicht, bin gesund, ich habe einen wunderbaren Freund, zwei herzzerreißend süße Katzen, eine tolle Familie, ausreichend funktionierende technische Ausstattung, modische Kleidung und immer etwas zu essen. Ich bin doch ziemlich gesegnet.

Reichtum liegt eben doch im Auge des Betrachters. Es gibt so viele Menschen auf der Welt, die für mein Leben alles geben würden. Meine Unzufriedenheit, vor allem jene die meinen materiellen Besitz betrifft, ist einfach so unfassbar ungerechtfertigt, dass ich mich schämen sollte! Gerade jetzt (Achtung, Kitsch) zur Weihnachtszeit ist es mal wieder Zeit, sich zu besinnen. Meine Weihnachtsgeschenke sind fast alle gekauft, sodass ich im Dezember noch irgendwo Geld überhaben werde, und ich bin entschlossen, dieses Weihnachten nicht nur den Kapitalismus zu fördern, sondern auch etwas zu spenden.

Hm, war das jetzt sehr pathetisch? Naja, macht nichts. Bin ich halt pathetisch, passt ja zur Saison. CHRISTMAS IN YOUR FACE, BITCHES!

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