Montag

Und schon wieder Montag. Ich gestehe, ich bin kein Fan. Vor allem nicht nach einem Januar mit ganzen 5 (!!!) Montagen. Die schlimmsten durchwühlten und schlaflosen Nächte hatte und habe ich nach wie vor von Sonntag auf Montag. Der Beginn der neuen Woche erschlägt mich mit der Wucht seiner frischen To-Do-Listen stets aufs Neue und ich grübele die Nacht durch. Unausgeschlafen brauche ich, ob bei der Arbeit oder zuhause, ewig um in den Tag zu starten und mein Gehirn soweit sortiert zu haben, dass ich wirklich etwas schaffe. Montags passiert außerdem außergewöhnlich viel Scheiße. Gerade neulich erst wurden zwei Teamkollegen krank, es gab einen Feuer(-fehl-)alarm im Büro und alle mussten raus in die Kälte, meinem Freund hat auf der Autobahn der Motor seines Autos versagt, und ich bin den halben Tag hungrig durch die Gegend gerannt um alle Besorgungen zu erledigen. Nervt halt einfach nur. Und geschafft habe ich auch nicht viel. Ansonsten hatte ich auch meine anstrengendsten Kino- und Konzertbesuche an Montagen. Zum Beispiel ein nervig langes mittelmäßiges Konzert von Black Rebel Motorcycle Club, und eine nervig lange Vorstellung von Wolf of Wall Street.

Ich versuche mir dabei das öffentliche Jaulen über den Montag weitestgehend zu verkneifen, weil die Stimmen, die sich über die Leute beschweren, die sich über Montage beschweren, viel lauter sind als mein leidendes Gemecker. Manchmal allerdings kann ich es mir einfach nicht verkneifen. Wenn alles nervt und nix läuft und ich nix geschafft habe und ich abends eigentlich um 20 Uhr schon ins Bett will, dann entfährt mir doch regelmäßig ein energisches „MONTAG EY!“

Bei Montagen muss ich immer an Casey Neistat denken. Wer ihn nicht kennt: YouTuber, Entrepreneur, vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Arbeitstier. Der sagt: Montag ist mein Lieblingstag! Die ganze Woche liegt vor einem, man hat wieder richtig viel Zeit für die ganze Arbeit, die man machen will und es werden wieder tolle aufregende Dinge passieren. Auf das, worauf ich mit Überforderung und Panik reagiere, geht er ebenso irrational total steil.

Mein Chef während meines Praktikums in London war ein ähnlicher Typ. Zwar rauchte er etwas viel Gras, aber irgendwie verlieh ihm das einen kaum erschütterlichen Optimismus. Seine Motivationsreden waren legendär. Er versammelte das komplette Team um sich und sprach mit uns über unsere Ziele und Träume und darüber, dass wir alles schaffen können, solange wir dafür arbeiten und diese Sachen immer im Auge behalten. (Anekdote dazu: Ihm ging es dabei vor allem natürlich um Karriereziele. Als wir einmal eine Runde machten, in dem jeder von seinem Lebenstraum erzählen sollte und wir zum dritten Mal „ein Festival organisieren“ und zum fünften Mal „für ein großes bekanntes Magazin schreiben“ hörten, hatte ich genug. Als ich dran war, sagte ich, dass es mir völlig Wurst sei, was ich irgendwann arbeiten würde, solange es mir Spaß macht. Mein Traum sei, eine Familie zu haben. Es ertönte ein lautes AAAAWWWWW!!!, eine Kollegin schrie „Oh my god, me too!“ und eine andere „I WANT TO MAKE KIDS WITH YOU“.) Jedenfalls briefte er uns auch in der Betreuung der Social Media Accounts unserer Kunden, wobei ich vor allem zwei ganz wichtige Dinge lernte: 1. Keine Tierfotos auf Accounts von Restaurants. 2. Positive Botschaften verkaufen. Kein Mensch will Montags auf Social Media 4325-mal Lesen, wie beschissen es ist, dass die neue Woche anfängt. Die Mission von meinem Boss: Die Welt besser machen. Und das fing damit an, den Montag positiv zu verkaufen.

Ich versuche mich wirklich daran zu halten. Generell versuche ich selbst in der Tendenz eher die frohe Botschaft zu teilen, als mein Leid und mein Gemecker. Außer es ist Twitter, denn da motzt eh jeder nur rum. Das hilft mir ja letztlich auch, weil ich dann immer mal wieder, auch wenn es hart ist, überlegen muss, was gerade cool ist. Und vielleicht freuen sich andere ja dann auch.

Aber der MONTAG. Was soll ich mit ihm machen. Ich gebe mein bestes mir einzureden, dass Montag nicht schlimm ist, dass es ein Tag ist wie jeder andere, dass an diesem Tag gar nicht mehr schlimme Sachen passieren als an jedem anderen Tag, dass abends nicht müder bin als an jedem anderen Tag der Woche… Und doch. Immer wieder kommt der Montag mit der Blutgrätsche und lacht mich aus. Ich werde erst aufhören über den Montag zu lästern, wenn er endlich aufhört, so gemein zu mir zu sein.

Fun fact: Ich bin am 16. Dezember 1991 geboren. Einem Montag.

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