Fiebergedanken

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Ich glaube, ich habe nicht mal Fieber. Ich habe einfach nur eine ganz extrem dumme Erkältung zu einem ganz extrem dummen Zeitpunkt (zugegeben, es ginge dümmer, aber dann wären wir schon in meinem persönlichen Katastrophenszenario). Auf jeden Fall aber hab ich etwas Zeit zum Denken, wie ich hier so liege und nebenbei Friends läuft. Staffel 5 Folge 13, Phoebes Großmutter ist gerade gestorben.

Ich bin seit einiger Zeit dabei meinem Instagram-Feed aufzuräumen. Habe da in irgendeinem Text schonmal drüber geschrieben aber ich bin zu krank und zu faul den zu suchen und zu verlinken. Am Anfang ging es mir darum, nicht nur ganz schlanken Frauen zu folgen, um mein Selbstbild nicht zu sehr an solchen Körpern zu orientieren. Jetzt habe ich noch mehr aussortiert und vor allem aber neu gefolgt, denn ich politisiere mein Instagram.

Irgendwann letztes Jahr ist es mir endgültig auf den Senkel gegangen, dass es bei Instagram nur ums Schön-sein, um Konsum, um das allerbeste Life zu gehen schien. Alles super schön bunt und so, aber irgendwie nicht, wie die Welt um mich herum war. Ich fing an, Journalistinnen zu folgen, Autorinnen, Aktivistinnen, nachhaltigen Bloggerinnen, gesellschaftskritischen Frauen. Betonung auf Frauen. Der Männeranteil in meinem Feed hat sich schwerstens reduziert, ebenso der Anteil „klassischer“ Fashion- und BeautybloggerInnen. Mein Instagram hat jetzt eine richtig starke, weibliche und feministische Stimme. Ich lese Meinungen und Informationen, ich scrolle mich durch viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Abstammungen und Berufen und ich lerne.

Ich habe gerade neulich einen super spannenden Austausch über Cultural Appropriation mit einer Freundin gehabt. Vieles von dem Wissen, auf das ich dabei zurückgreifen konnte, hatte ich von den schlauen Frauen auf Instagram. Ich bewundere diese Frauen dafür, wie sie sich die Zeit nehmen und ihr Wissen, ihre Gedanken und ihre Fragen zu politischen und gesellschaftlichen Themen auf Instagram aufbereiten und teilen.

Und dann sitze ich hier, krank, mit einem Fieberkopf der wahrscheinlich gar kein Fieber hat, und frage mich, warum ich das nicht auch tue. Ich hab auch viel zu sagen und zu erzählen, und eine Meinung habe ich eigentlich auch zu allem und diskutieren tue ich auch gerne. Ich möchte eigentlich nicht nur eine private Person im Netz sein. Ich möchte eine politische Person sein.

Und es sind so viele Dinge, die ich lese und höre und lerne und über die ich nachdenke, aber irgendwann habe ich mal als Kind und Teenager schlechte Erfahrungen damit gemacht, eine Meinung zu haben. Ich habe sie vielleicht auch etwas harsch vorgetragen, und ja ich habe wirklich gerne Recht, und wenn ich weiß, dass ich Recht habe, kann ich auch schlecht einfach mal eine Diskussion aufgeben. Ich möchte aber nicht mehr auf meine Meinung verzichten und wieder mehr auf diesem Blog verarbeiten, was ich denke. Und ich möchte mich wieder mehr trauen, mit Leuten zu diskutieren, wenn ich ihre Ansichten nicht teile.

Es passiert zu viel, als dass wir es uns leisten könnten, nur leise mitzuschwimmen. Ich möchte eine Stimme haben.

Also. Wenn meine Erkältung weg ist. Dann.

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