Warum eigentlich Angst

„Mir ist schon ein bisschen mulmig jetzt bei dem Gedanken, demnächst in ein Flugzeug steigen zu müssen.“

Angst hat einen größeren Einfluss auf uns, als wir uns eingestehen wollen

„Angst ist ein Grundgefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein. Krankhaft übersteigerte Angst wird als Angststörung bezeichnet“, sagt Wikipedia.

Angst kann richtig gut für uns sein. Angst schützt uns davor, wirklich dumme Dinge zu tun, schärft unsere Sinne, lässt uns in Gefahrensituationen in Sekundenschnelle die beste Entscheidung treffen. Das geht aber natürlich nur, wenn wir weder zu wenig Angst haben, noch zu viel. Wer sich vor nichts mehr fürchtet, der nimmt Gefahren nicht mehr als solche wahr, und kann im extremen Fall damit sein Leben aufs Spiel setzen. Im weniger schlimmen Fall kann es natürlich auch einfach ganz banale Folgen haben, wenn man sich beispielsweise als Kind an einer Kerze verbrennt, weil man nach tausenden Experimenten mit kleinen Flammen noch keine schlechten Erfahrungen gemacht hat.

Ich bin ziemlich sicher, dass meine Angst ein wesentlicher Grund dafür ist, dass ich in meinem Leben noch keine schweren Verletzen erlitten habe (mal auf Holz klopfen…). Als Kind habe ich nicht mit Feuer gespielt, bin nirgendwo raufgeklettern oder runtergesprungen von dem ich mir nicht sicher war, dass ich hundertprozentig wieder heile runterkomme, habe keinen gefährlichen Sport gemacht. Meine Wehwehchen, die ich mir bisher zugezogen habe, lassen sich an einer Hand abzählen. Das Risiko und ich, wir verstehen uns nicht sonderlich gut.

Manche Menschen scheinen den Kick der Angst irgendwie zu genießen. Sie gucken gerne Horrorfilme, lesen angsteinflößende Romane, spielen Computerspiele, die einen vor Angst fast in die Hose machen lassen. Und ich verstehe das nicht. Ich bin schon so weit, dass ich unfassbar nachtragend bin, wenn mich Leute ganz harmlos irgendwo erschrecken. Das Gefühl der Angst, dass damit in mir ausgelöst wird, ist das allerschlimmste für mich. Wenn du also ganz smooth aus unserer Freundschaft raus willst ohne ein unangenehmes Gespräch zu führen, erschrick mich einfach. Ich gucke auch keine Horrorfilme (Nightmare On Elmstreet war für mich schon das höchste der Gefühle), lese nichts von Stephen King, und nichts in der Welt würde mich dazu bringen, Spiele zu spielen bei denen ich Angst bekomme.

Ich weiß ziemlich gut, wie ich der Angst aus dem Weg gehen kann. Aber sie holt mich gerne nachts ein. Wenn ich aufwache, und an all die kleinen Dinge denke, bei denen ich nicht weiß, wie sie ausgehen, bei denen ich sowas wie ein Risiko eingehen muss… Dann liege ich nachts wach, ich kann nicht schlafen, weil die Angst mich wach hält. Morgens ist dann wieder alles halb so schlimm, auch deswegen weil tatsächlich meine sogenannten Sorgen meist objektiv gesehen nicht nennenswert sind. Trotzdem, die Angst lähmt mich. Es kostet Überwindung, mich in unbequeme Situationen zu bringen, neues zu probieren, Unbekanntes zu etwas Bekanntem zu machen.

Bisher hat mich das noch nicht aufgehalten. Meine Angst ist weit entfernt davon, eine Angststörung zu sein. So viel Überwindung ich auch manchmal brauche, desto schöner war es dann, die Hürde genommen zu haben, und eine elementare Erfahrung daraus mitgenommen zu haben. Natürlich ist das Resultat nicht immer sofort super schön, oder angenehm, aber der Erkenntnisgewinn war nie zu verachten. Ich weiß, dass ich damit unfassbar glücklich sein kann. Mir geht es gut. Ich muss keine elementaren Ängste ausstehen. Eher Ängstchen, in Relation zu dem, was andere Menschen durchmachen müssen.

Gerade jetzt ist die Angst wieder ein großes Thema in den deutschen Medien. „Haben Sie Angst, jetzt zu fliegen?“ Ich will und kann mir nicht vorstellen, wie schrecklich die Angst sein muss, die Menschen in einem abstürzenden Flugzeug haben. Oder wie furchtbar die Angst sein muss, die die Angehörigen haben, wenn der Flug verschwindet, in dem ihre Freunde oder Familie sitzen. Nur der Versuch einer Vorstellung zerreißt mir das Herz, und ich wünsche allen Angehörigen ganz viel Kraft.

Ich werde im Mai in ein Flugzeug nach New York steigen. Der längste Flug meines jungen Lebens. Bisher bin ich immer nur nach London und Paris geflogen. Und ich bin tatsächlich kein sonderlich großer Fan von Flugzeugen. Flugangst ist das nicht, aber diese Maschinen entbehren sich für mich jeglicher Logik (ich verstehe die Technik einfach nicht, Physik war nicht mein stärkstes Fach in der Schule). Außerdem bekommt fliegen meinem Bauch und meinen Ohren alles andere als gut. Dazu der ganze Aufwand, bis man überhaupt man in das doofe Flugzeug steigen kann, und… Ja, ist halt nicht mein bevorzugtes Verkehrsmittel.

Leider ist es der beste und oft einzige Weg, die Welt zu sehen. Und ich will die Welt sehen. Bisher ist meine Reiseliste zwar auf Europa beschränkt gewesen, aber das wird sich hoffentlich noch ändern. Meine Angst vor Neuem soll und darf mich nicht lähmen, mich nicht einschränken. Genauso wenig soll sie meine Familie und Freunde davon abhalten, ihr Leben zu leben. So schrecklich die Vorstellung ist, aber nur weil die Möglichkeit besteht, dass einer meiner Liebsten in einen tödlichen Unfall verwickelt wird, kann ich sie nicht davon abhalten, ein Auto zu benutzen, Rad zu fahren, oder eben in ein Flugzeug zu steigen. Genauso wenig darf es mich aufhalten.

Die Angst ist Bestandteil unseres Lebens. Ein wichtiger Bestandteil. Auch, wenn sie unbequem ist. Aber wir dürfen der Angst keine Macht über uns geben. Am Ende entscheiden wir, wie weit wir gehen können, und nicht unsere Angst. Ich werde im Mai in das Flugzeug steigen, und mich mehr um meine Ohren sorgen, als dass das Flugzeug abstürzt. Shit happens, und es lohnt sich nicht, Angst wegen Dingen zu haben, die wir nicht beeinflussen können. Am Ende ist fliegen immer noch die sicherste Fortbewegungsart der Welt.

Am Ende ist es so: danke, dass du auf mich aufpasst, liebe Angst, aber manchmal muss ich dich einfach ein bisschen ignorieren.

(… Außer natürlich, wenn es um Frösche geht. Die Dinger gehen einfach gar nicht. Albtraummaterial. #mehralslebensgefährlich)

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