Semester Nummer 11

Was soll ich sagen. Das neue Semester hat begonnen und es hat mich wieder voll im Griff. Die ersten drei Referate haben ein Datum, eins habe ich schon hinter mir und ich muss mich gleich für das nächste an die Arbeit machen. Ich werde sicherlich wöchentlich wieder dutzende Seiten Lektüre haben, und es nur die ersten wenigen Wochen durchhalten, alles zu lesen.

Ich habe wieder festgestellt, dass dieses Studium nicht für Menschen konzipiert wurde, die 20 Stunden die Woche arbeiten und 6-12 Stunden wöchentlich zum Pendeln aufwenden müssen. Ich muss sagen, dass ich und alle meine Kommilitoninnen und Kommilitonen, die das auf sich nehmen, ziemlich krass drauf sind. Das grenzt schon an Masochismus. Es ist erstaunlich, was für ein fehlkonstruiertes Monster eines Masterstudiums das ist.

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Ganz davon abgesehen, dass sich im Moment die allgemeine Zufriedenheit mit unserem Studiengang (Ja, ja ich gucke dich an, Master Kulturwissenschaften in Lüneburg!) arg in Grenzen hält (ich weiß nur von einem Kommilitonen der nicht bloß richtig happy, sondern geradezu euphorisch ist), spüre ich das elfte Semester langsam in den Knochen. Dieses gesamte akademische Brimborium macht mich ganz kirre. Inzwischen merkt man, welche Leute wohl an der Universität bleiben und viele schlaue Bücher schreiben und neue schlaue Studenten lehren werden – und man merkt auch, wenn man da nicht zugehört. Mir fehlt für so vieles einfach die Begeisterung und es gibt Tage, da sitze ich im Seminar und überlege, ob ich etwas beitragen möchte, und befinde es für verschwendete Lebensmüh. Gerade bei den zahlreichen philosophischen Themen, die zweifelsohne hochinteressant sind, klinken sich meine Gedanken manchmal ganz selbstständig aus, setzen sich in die Ecke auf ein Kissen, schenken sich ein Glas Rotwein ein und prosten mir zu. „Cheers!“, sagt dann meine Aufmerksamkeit und schneidet feierlich den roten Faden durch. Die Motiation schlurft heran, setzt sich zu den Gedanken und der Aufmerksamkeit und fragt „Was wollen wir heute essen?“

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Am Dienstag hatte ich zusätzlich noch unverschämt schlechte Laune. Selbst mit besserer Stimmung hätte ich mich mit Marx schwer getan, aber so ging’s echt gar nicht mehr. Und dann waren da noch so viele andere Dinge, und Menschen, die sich blöd benahmen, und Sachen, über die ich nachdenken musste, und dann bekam ich noch Hunger. Und ich sage dir, meine liebe Leserin, in Semester 11 gelangt man auf diese Art und Weise schnell an den Punkt, an dem es  reicht.

Am Montag war ich auch schon an so einem Punkt. Denn die Situation ist folgende: an Tagen, an denen ich nur eine Veranstaltung habe, bin ich rund 3 Stunden unterwegs für 1,5 Stunden Seminar. Ich habe einiges an Lebenszeit für die Anreise zur Uni ver(sch)wendet, und dann möchte ich immerhin, dass es sich lohnt. In Semester 11 habe ich keine Zeit mehr. Im zweiten Semester, ja, da wars eigentlich nie so wild, wenn eine Veranstaltung mal nur so okay war, dann hat man halt die 90 Minuten ausgesessen und fertig. In Semester 11 hat man keine Zeit mehr. Man ist alt (wenn auch nicht weiser), man hat hunderte Seminarsitzungen gesehen und gehört, und zumindest ich habe keine Geduld mehr für Scheiße. Als dann die Studentin, die am Montag ein Referat halten sollte, nicht mehr erzählt hat als Wikipedia und der zuvor herumgeschickte Text hergaben, war ich kurz davor einen bravourösen Tableflip zu vollziehen. Was soll die Kacke? Dafür bin ich nicht da. Das hätte ich alleine in weniger Zeit herausfinden können.

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Man, man, man. Das ist schon wieder alles so negativ, oder? Immer nur am Motzen, die Fiona.

Und hey, warum gehe ich denn zur Uni, wenn nicht zum Motzen? Nach meiner Erfahrung und den Erzählungen anderer sind Universitäten nur wahnsinnig durchbürokratisierte Unternehmen, die am Ende einen Haufen Bachelorabsolventen, die keine Jobs bekommen, und Masterstudenten, die sich fragen wo plötzlich 7 Jahre hinverschwunden sind, produzieren. Studiengänge werden nicht danach konzipiert, wie es am sinnvollsten und produktivsten ist, über ein bestimmtes Thema zu lernen. Studiengänge werden in eine Regelstudienzeit gequetscht in denen die Seminare und Credit Points so berechnet werden, dass der Uni keine Gelder gestrichen werden. … DIe letzte Studentenrevolution ist schon ne Weile her oder? Jemand Bock? Wird mal wieder Zeit.

… Then again: mit welcher Zeit?

Abschließend ist wichtig zu sagen: es ist ja nicht alles schlecht. Ich hatte und habe immer noch wirklich schöne Themen in meinen Seminaren, und ich habe viel gelernt. So hundertprozentig hätte ich jetzt auch keine Lust, einen Vollzeitjob zu machen. In den Semesterferien kann ich immerhin an 3-4 Tagen die Woche ausschlafen. Trotzdem hoffe ich sehr, dass das 13. auch mein letztes Semester sein wird. Die wilde 13. Hach.

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