Ins Telefon lächeln

Er saß in seiner Bude und lächelte sein Smartphone an. Ich kenne ihn nicht und bin erst ein paar mal an dem Parkplatz vorbei gegangen, den er in seiner Holzbude bewacht und für den er Gebühren kassiert. Er ist noch relativ jung, vielleicht irgendwo Mitte bis Ende 20, hat dunkelbraune kurze Haare und eine leicht aus der Mode gekommene silberfarbene Brille. Und er sitzt da und strahlt sein Telefon an.

Ich habe gerade Feierabend gemacht und gehe zur Fähre. Es ist der 23. Dezember und ich habe die Weihnachtsmusik auf meinen Ohren aufgedreht. Vom Mittagessen und dem Champagner (es ist schließlich Weihnachten!) leicht beschwipst, habe ich exzellente Laune. This is Christmas. Was den Mann in der Bude wohl so zum Lächeln gebracht hat? Ich muss plötzlich mitlächeln.

Vielleicht hat er eine Nachricht von einer Person bekommen, die er liebt. Vielleicht Fotos von Nichten, Neffen Cousins, Freunden? Ein blödes Buzzfeed-Listicle? Eventuell hat er ja auch ein Katzenvideo geschickt bekommen.

Jedes Mal wenn ich Leute dabei ertappe, wie sie dämlich auf ihr Handy grinsen, freue ich mich. Das bedeutet, dass sie gerade keine schlimme Nachrichten lesen müssen, sondern sich über irgendetwas so freuen, dass sie einfach nur noch grinsen können. Ich ertappe mich selbst manchmal dabei, wie ich in mein Smartphone grinse und frage mich, was die Leute wohl denken.

Vielleicht freuen sie sich ja mit mir.

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