Büroküche

Meine leere Tasse in der einen schiebe ich mit meiner anderen Hand die schwere Tür zur Büroküche auf. Es ist gerade niemand anders hier, was auch mal ganz schön ist, weil ich dann die Minute, die mein Kaffee braucht, in Ruhe durchatmen und aus dem Fenster sehen kann. Tasse also in die Maschine, eben kontrollieren, ob noch genügend Milch da ist – einen Flat White bitte, und der Automat beginnt, Kaffeebohnen zu mahlen. Ich gehe zum Fenster.

Heute morgen hat es geschneit, und hier und da ist der Boden noch leicht gepudert. Trotzdem, jetzt scheint die Sonne und ich bekomme heftige April-Vibes, obwohl es erst Februar ist. Hier im vierten Stock hat man die beste Aussicht über das Wasser und die Schiffe und den Hafen. Im Bürogebäude gegenüber ist das zweite Stockwerk komplett leer geräumt und ein Techniker geht durch den großen Raum, der übrig geblieben ist, und starrt an die Decke, als ob er dort Leitungen überprüfen muss. Als Kinder hätten wir viel Spaß gehabt, auf diesem verwaisten Stockwerk fangen zu spielen.

Hinter mir tröpfelt der Espresso in die Tasse. Ich nehme den Topf mit dem Zucker und löffle eine angemessene Menge in den Kaffee. Dann gehe ich wieder zum Fenster und lehne mich dort mit den Armen auf das Metallgeländer. Unten laufen zwei Männer in neon-oranger Arbeitskleidung durch den letzten Puderschnee. Einer trägt einen großen Seesack, der andere einen kleinen Rollkoffer. Zwischen den Bürogebäuden bewegen sie sich schnackend fröhlich zur Brücke, an der die Schlepper liegen. Ich überlege, wie lange die beiden wohl da auf dem Boot bleiben, wenn sie so viel Gepäck dabei haben.

Auf der Straße fährt gerade ein Bus Richtung Altona. Ich kann mir nicht vorstellen, dass um diese Uhrzeit und jetzt im Winter viele Leute mit dieser Linie fahren. Es ist eine Verbindung für Touristen und Angestellte und keiner aus diesen beiden Gruppen ist jetzt unterwegs. Ich frage mich, ob sich die Busfahrer freuen, wenn sie einen leeren und leisen Bus steuern, oder ob sie sich dann unnütz fühlen.

Während der Automat warme Milch in meinen Kaffee pumpt schaue ich übers Wasser. Heute liegt eines der besonders beeindruckend großen Schiffe dort und wird ent- oder beladen. Ich weiß nie, was mit den Schiffen gemacht wird, weil ich nie lange genug hinsehe. Plötzlich sind sie da, plötzlich sind sie weg, plötzlich sind die beladen, plötzlich sind sie leergeräumt – und plötzlich ist mein Kaffee fertig. Ich nehme die Tasse, rühre um, und ziehe dann die schwere Küchentür auf. Weiter geht’s.

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