Nippelalarm: fiona’s fickle fictions

„Ha, man sieht voll ihre Nippel hahaha!“

Ich drehe langsam meinen Kopf nach links, sehe ihn an und blinzle. Das Blinzeln sitzt.

„Was denn?! Ist doch so“, mampft er in eine handvoll Chips rein.

Ich blinzle mehr. Ich habe das ultimative Todesblinzeln, bei dem jeder, absolut jeder, Liebhaber wie Fremder, weiß, dass er Scheiße gebaut hat. Deswegen sitzt es auch wieder.

„Oh man ey was ist denn nun falsch daran ey!“

Wir gucken gerade die erste Staffel Friends. Ich zum ungefähr fünften Mal, er zum ersten, und ganz offensichtlich hat er auch gerade das erste mal den Abdruck von weiblichen Nippeln unter einem T-Shirt gesehen.

„Was soll denn an Nippeln witzig oder aufregend sein“, sagte ich in einem Tonfall trockener als die Erde meiner toten Monstera, die in der Ecke steht.

„Mh, naja, ich mein nur, also, man sieht das ja nie…“

Ich denke nach. Ich habe diese Serie fünfmal gesehen, ohne dass mir jemals die Nippel von Jennifer Aniston oder Courtney Cox aufgefallen wären. Aber klar – da sind sie. Wie das so ist, ohne super gepolsterten BH und im weißen T-Shirt in einem wahrscheinlich klimatisierten TV-Studio.

Alle Menschen haben Nippel und ich verstehe seine Aufregung immer noch nicht.

„Du lachst doch auch nicht wenn du meine Nippel siehst.“

„Das ist ja auch was vollkommen anderes.“

„Wie ist denn das anders.“

„Naja, vom Kontext her…“

„Welcher Kontext?“

„Naja, wenn wir beide nackt sind, dann sind deine Nippel ja normal, aber ansonsten -“

„Willst du sagen die Nippel von fünfzig Prozent der Weltbevölkerung sind nicht normal?“

„Ach dreh mir doch jetzt nicht die Worte -“

„Aber deine Aussage impliziert das doch!“

„Ich dachte wir gucken einfach die Serie man!“

Er steht auf und geht in die Küche. Ich höre wie der Kühlschrank aufgeht, er ein Bier aus dem Gemüsefach nimmt, den Kühlschrank wieder schließt. Er kommt wieder und setzt sich neben mich. Er macht sein Bier an der einzigen Stelle des Couchtisches auf, an der Bieröffnen erlaubt ist. Der weiße Lack ist dort abgeplatzt. Es landen neue weiße Krümel auf dem Teppich. Er nippt am Bier. Guckt auf den Fernseher, guckt mich an.

„Man sieht halt nicht mehr so oft Frauen draußen rumlaufen, bei denen man die Nippel durchs Shirt erkennen kann…“

Er guckt wieder auf den Fernseher und nippt. Ich denke nach. Nippen. Ist das verwandt mit dem Wort Nippel? Es gibt überall Nippel, auch am Fahrrad, da gibt es sogar ein Werkzeug das Nippelspanner heißt. Auch Mike Krüger wusste, dass Nippel nicht nur an Menschen dran sind, bevor er seinen Song schrieb. Was war eigentlich zuerst – der Nippel am Mensch oder die Nippel an Gegenständen?

Ich finde Nippel extrem überbewertet und unspannend, weil alle sie haben, aber anders als ihre Nasen, die viel spannender sind, immer bedeckt sind. Insgesamt nun vor allem für mich ja anscheinend so irrelevant, dass mir Jennifer Anistons quasi ins Gesicht springen können, ohne dass ich sie bemerke.

Ich gucke an mir runter. Ich trage seit Jahren keine gepolsterten BHs mehr, weil ich Push-Up-BHs für eine moderne Foltermethode halte. Auch meine Nippel kann man unter meinem T-Shirt sehen.

„Wie würdest du das denn finden, wenn mir auf der Straße n Typ sagen würde, hahaha man sieht ja deine Nippel voll?“

„Ach man, das ist doch was ganz anderes!“

Ich seufze. Glaube, wir kommen da heute nicht mehr zusammen. Ich gehe in die Küche, mache den Kühlschrank auf und nehme das letzte Bier aus dem Gemüsefach.

Ich gehe zurück ins Wohnzimmer und setze mich wieder aufs Sofa. Es fallen noch mehr Lackkrümel. Wir trinken und gucken Friends.

Nachwort
Der geneigte Leser weiß, dass einer meiner langfristigen Lebensträume ist, ein Buch zu schreiben. Da von nichts nichts kommt, versuche ich mal, eine kleine Reihe an fiktionalen Geschichtchen auf meinem Blog unterzubringen, zu finden unter ‚fionas fickle fictions‘.

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