Zweitausendneunzehn

Ach, das Jahr ist schon wieder so schnell vergangen, höre ich die Chöre singen. Sie lassen die nicht irre frohe Botschaft der verrinenden Zeit verlauten. Lieder einer Welt, die sich dreht und dreht und dreht und in der alle nur noch auf ihr Telefon starren und…

Und ich habe keine Lust mehr mitzusingen. Dieser Chor käut nur die immer gleichen Schlagzeilen der Masse wieder, und ich muss da raus, bevor ich anfange den Scheiß wirklich zu glauben.

Ich hatte gegen Ende diesen Jahres nämlich genau diesen Moment, in dem es mir so vorkam, als sei das Jahr einfach an mir vorbei gezogen, ohne dass nennenswertes passiert war, ohne dass ich etwas gelernt hätte, ohne dass ich den Sommer genossen hatte, ohne dass ich es gemerkt hatte. Das war ein schrecklicher Moment, wie aus einem Buch von Michael Ende, kalt und grau und mit düsterer Zukunftsprognose.

Genau deshalb muss ich aussteigen, aus dem Rausch der Meute, die meint, dass uns die Zeit durch die Finger rinnt. Ich lerne gerade, dass auch eine Stunde schon viel Zeit sein kann, um etwas zu schaffen – und dass ich dementsprechend einem ganzen Jahr auch gebührende Anerkennung schenken muss. Und auch dieses Jahr ist nicht einfach vorbei gegangen. Es ist wahnsinnig viel passiert, was anerkannt werden will. Anbei also, in keiner bestimmten Reihenfolge, was dieses Jahr geschah: *räusper*

  • Ich habe mich dank guter Haarschnitte von meinen blondierten Haaren verabschiedet und mein Kopf dankt es mir.
  • Mein Papa hat geheiratet.
  • Die erste meiner besten, ältesten Freundinnen hat geheiratet.
  • Mein einziges Freundespaar mit Kindern hat noch ein Kind bekommen und der Kleine ist irre süß und knuddlig (Liebsteste Grüße an dieser Stelle, weil ich weiß, dass die Zwei das lesen werden<3).
  • Ich habe in meinem Job ein herrliches Social Media Projekt rund um eine süße Teenie-Komödie betreut (50K Follower auf Instagram waddup).
  • Ich habe Goldschmuck für mich entdeckt.
  • Meine Kleiderstange ist doppelt so voll wie Anfang des Jahres (ups).
  • Ich habe mir endlich den großen Wunsch nach Doc Martens erfüllt.
  • Ich habe schöne Konzerte gesehen: Dodie, Thees Uhlmann, Amanda Palmer und Watsky.
  • Diese Liste erweitert sich stark, wenn ich meinen Besuch des A Summer’s Tale Festivals mitzähle: Maximo Park, Faber, Elbow, Tina Dico, Zaz, Suede, Michael Kiwanuka, Xavier Rudd, Kate Nash, Die Höchste Eisenbahn, Shantel, Die Nerven.
  • Ich habe das erste Mal in meinem Leben eine Wanderung (also richtig in den Bergen) im Schnee gemacht.
  • Nils und ich waren in London, haben dort das Harry Potter Theaterstück gesehen und waren in vier Tagen zweimal bei Five Guys essen.
  • Außerdem habe ich mir dort mein erstes Paar weiße Sneaker gekauft.
  • Ich habe eine Filmpremiere mit meinen Kollegen betreut und danach haben wir viel getrunken und es war herrlich.
  • In der Woche danach bekam ich einen Hexenschuss.
  • Dadurch erfuhr ich, wie schrecklich es ist, wenn ein essentieller Teil des Körpers aufgibt.
  • Bei der Europawahl habe ich mein Stammwahllokal als Wahlbezirksleitung betreut.
  • Wir haben zwei Junggesellinnenabschiede für die selbe Braut gefeiert und für einen ein super schönes Fotoshooting organisiert.
  • Nils und ich waren auf dem Kirchentag in Dortmund (zu den Kirchentagen ein wichtiger Text hier), und dort habe ich Radkuriere disponiert bis zum Umfallen.
  • Kurz danach sind wir zweifache Katzeneltern geworden und haben Pheobe adoptiert: ein grau gestreiftes Kätzchen, das seitdem unser Leben auf den Kopf stellt.
  • Ich hatte die übelste depressive Phase meines Lebens (Pubertät war nichts dagegen) und habe mich da mit viel Geduld und Verständnis für meinen kranken Kopf wieder rausgekämpft.
  • Generell habe ich gelernt, meine Gesundheit eine meiner obersten Prioritäten zu machen. Da ich nach wie vor Luft nach oben, aber ich verstehe die Sprache meines Körpers mittlerweile besser.
  • Wir waren eine Woche im Urlaub in Frankreich mit dem Camper von meinem Papa, da der Bulli erst wieder fit gemacht werden muss. Die Woche hat sich angefühlt wie zwei und wir haben super viel gesehen und gelacht und erlebt.
  • Ich habe sehr, sehr, sehr viele Tassen bemalt.
  • Ich habe mir zwei Anzüge gekauft.
  • Ich habe endlich eingesehen, dass ich nicht böse mit mir sein darf, wenn ich mal eine Pause vom Dinge-tun brauche. Manchmal muss ich eben einfach eine Weile auf dem Sofa liegen und im Anschluss 12 Stunden schlafen. Danach mache ich auch vielleicht die Wäsche.
  • In liebevoller Arbeit habe ich mir neue Kilos zugelegt.
  • Ich habe mir seit Jahren (Jahrzehnten vielleicht?) wieder Lego gekauft und nun steht ein Lego-Central-Perk auf meiner Fensterbank.
  • In Kassel habe ich die deutsche Doctor-Who-Convention besucht und habe meinen ersten Roadtrip allein gemacht, bei dem ich länger als 1,5 Stunden fahren musste.
  • Dienstlich war ich nochmal in London und habe dort Millie Bobbie Brown gesehen – so richtig echt und live – und sie ist die coolste Teenagerin auf diesem Planeten.
  • Gegen Ende des Jahres habe ich viele alte Freunde wiedergesehen und das war sehr herzheilend nach einer langen Zeit, in der ich mit ziemlich isoliert habe.
  • Ich habe mehrere wichtige, lebensverändernde Entscheidungen getroffen.
  • Ich habe mir eine neue Brille bestellt, die pünktlich zum Start ins neue Jahr eintrudeln sollte.

Vorsätze fürs nächste Jahr will ich eigentlich keine machen. Ganz inoffiziell habe ich ein paar, aber da der Druck, den ich auf mich selbst ausübe, ohnehin der ist, unter dem ich am meisten leide, muss ich an dieser Stelle wirklich nicht übertreiben und eine echte Liste ausformulieren. Ich schau mir mal an, welches Tempo so möglich ist. Ich freue mich jedenfalls. Ein neues Jahr fühlt sich immer gut an. Wie eine frische Unterhose.

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