Die Krux mit der Fiktion

Vor ein paar Monaten nahm ich mir vor, mal mehr kurze fiktionale Texte zu verfassen. Als langfristige Einstimmung und Übung auf mein Lebensziel, irgendwann ein Buch zu schreiben. Dann kam zwar auch meine liebe Schreibblockade dazwischen, aber zudem habe ich noch eine neue Schwierigkeit entdeckt, von der ich vorher nicht gedacht habe, dass sie so ein Problem für mich wird.

Ich schreibe ausgehend von persönlichen Erfahrungen, Beobachtungen und Gefühlen.

Dazu zwei Dinge: Erstens war mir das vorher schon bewusst, denn meine Geschichten sind keine aufregenden Fantasy-Fabeln mit Drachen und Rittern, sondern halt so der Kram aus dem Leben. Sachen eben, die mir bekannt sind, die mir passieren, die ich sehe, das Übliche halt. Mit der Prise Fantasie, die das ganze erzählenswert macht.

Zweitens ist mir auch bewusst, dass man als Autor nicht darauf Rücksicht nehmen sollte, ob man mit seinen Texten bei Freunden und Verwandten Befindlichkeiten auslöst. Allerdings ist auch das gar nicht so einfach.

Beispiel A: Mein Problem mit meiner Traurigkeit und Melancholie. Besonders kreativ werde ich vor allem, wenn es mir schlecht geht. Mein Text über das Glück ist da die eklatante Ausnahme, die die Regel bestätigt. Davor hatte ich meine kleine Zeittrilogie geschrieben, in der ich meine Trennung verarbeite. Also meine negativen Gefühle. Aber wie viel kann ich hier preisgeben oder verarbeiten, ohne dass meine Freunde und meine Familie sich Sorgen um mich machen? Ich denke nicht, dass ich durch meine Traurigkeit gefährdet bin, denn schließlich geht es mir oft genug sehr gut. Aber wenn das Bild, dass ich durch meine Geschichten vermittle, ein sehr dunkles ist? Ist das OK?

Beispiel B: Meine Erlebnisse mit Trennung und neuer Liebe. Da stehen auf beiden Seiten Menschen, die mir unendlich viel bedeuten, und ich möchte nicht, dass meine fiktionalen Geschichten über das Thema zu sehr auf unsere Realität bezogen wird. Aber geht das eigentlich?

Wie kann ich meine Umwelt in der Fiktion verarbeiten, wenn meine Umwelt dann denken könnte, die Geschichte ist die Realität? Wahrscheinlich ist das eigentliche Problem hier das Medium, denn ein Blog ist natürlich viel unmittelbarer als beispielsweise ein Buch. Wenn ich jetzt an einem Buch schreiben würde, dass erst Monate später veröffentlicht würde, dann würden meine Leser das ganze vielleicht weniger auf meine jetzige Lebenslage beziehen, oder?

Ich glaube, zu dem Problem gibt es gerade keine Lösung für mich, denn ich habe weder Zeit ein komplettes Buch zu schreiben, noch einen Verlag, der Bock hat, meinen Shit zu veröffentlichen. Bis dahin muss ich mit diesem Medium vorlieb nehmen, wenn ich meine Geschichten teilen möchte, und vielleicht diesen Disclaimer entsenden: Meine Geschichten sind inspiriert von meinem Leben, aber sind nicht mein Leben. Ganz ganz wichtig!

Ausgehend von einem kleinen, erträglichen Schmerz, stellen wir uns einen größeren, unerträglichen Schmerz vor. Das tut ein Schriftsteller. – Julian Barnes

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Myriam sagt:

    Hallo Fiona!
    Interessante (und mir nicht unbekannte) Fragen, die du da aufwirfst … ich sage ja immer: Wer mit Schriftstellern verkehrt, muss damit rechnen fiktionalisiert zu werden 😉 Auch dass ein Text von mir vom befreundeten Leser überdüster interpertiert wird, ist mir schon passiert – da halfen dann ein paar offene, klärende Worte.
    Liebe Grüße,
    Myriam

    Gefällt 1 Person

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