Der Fettabdruck am Fenster

Es war ein langer Tag und ich sitze im Bus. Nein, eigentlich ist es immer noch ein lange Tag. Ich habe noch nicht Feierabend, aber unterwegs nach Hause. So ergibt sich das eben als Studentin mit Nebenjob, die Arbeitszeiten sind flexibel as fuck und man organisiert sich je nach Bedarf.

Jetzt organisiere ich mich also nach Hause und bin eigentlich viel zu müde, um noch produktiv zu sein. Warum muss der Januar eigentlich so dunkel sein. Ich werde gleich meinen letzten Rest Energie und Kreativität zusammen sammeln, aber dann ist wirklich Feierabend.

Ich gucke auf den Fettfleck am Fenster. Da war auch jemand müde. Es ist dieser typische matte Fleck, den Köpfe an Glas hinterlassen und in dem man noch etwas Haarstruktur erkennen kann. Niemals würde ich Menschen verurteilen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln Nickerchen machen oder sich zurücklehnen müssen. Das Leben ist anstrengend manchmal und der Alltag lässt einen am Ende des Tages etwas matt zurück. Aber diese Flecken…

Ich gucke den Fleck weiter an, halb fasziniert, halb angewidert, und finde, dass er ein Sinnbild unserer Gesellschaft ist. Immer viel zu tun, immer unterwegs. Viel Arbeit, viele Pläne, viel im Kopf. Alles möglichst schön, glatt und glänzend aussehen lassen, aber dann doch eine Kleinigkeit übersehen. Und jede kleine Lücke im Zeitplan nutzen, und wenn es dafür ist kurz die Augen zu schließen und sich an den Fettfleck des Vorgängers zu lehnen.

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